...ich sah aus wie ein hochmütiger menschenverächter, der alles menschliche geringachtete, ein misanthrop, der für alles und jeden eine spöttische bemerkung bereithielt. das war der eindruck, den der rauchende mann gewinnen musste.
wie sehr er sich täuschte!
ich versetzte mich in seinen blick hinein, bildete ihn in mir nach und nahm aus ihm heraus mein spiegelbild in mich auf. so wie ich aussah und wirkte - dachte ich - war ich nie gewesen, keine einzige minute meines lebens.
geht es den anderen auch so: dass sie sich in ihrem äußeren nicht wiedererkennen? dass ihnen das spiegelbild wie eine kulisse von plumper verzerrung vorkommt? dass sie mit schrecken einen abgrund bemerken zwischen der wahrnehmung, die die anderen von ihnen haben, und der art, wie sie sich selbst erleben?
wie sieht der mann mit zigarette einen betont aufrechten mann mit hagerem gesicht, vollen lippen und einer goldgeränderten brille auf der scharfen, geraden nase? wie fügt sich diese gestalt in das gerüst seines gefallens und missfallens und in die aonstige architektur seiner seele? was an meiner erscheinung übertreibt und überhöht sein blick, und was lässt er weg, als wäre es gar nicht vorhanden? es wird unvermeidlich ein zerrbild sein, was sich der rauchende fremde von meinem spiegelbild macht, und sein gedankenbild von meiner gedankenwelt wird zerrbild auf zerrbild türmen. und so sind wir uns doppelt fremd, denn zwischen uns steht nicht nur die trügerische außenwelt, sondern auch das trugbild, das von ihr in jeder innenwelt entsteht...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen