Samstag, 21. Juli 2012

Tabacaria

Da ich nicht so recht weiß, was ich mit diesem Samstag Abend noch anstellen soll und mein Leben nicht so interessant ist, als dass ich Tag ein Tag aus über irgendwelchen Kram berichten könnte, der noch dazu meist nichts sagend ist, habe ich beschlossen, heute den Dichter Alvaro de Campos vorzustellen. Es ist halb zwölf, ich trinke frisch erworbenen, Rotwein und würde gerne "Tabacaria", ein wirklich wundervolles Gedicht, niederschreiben. Es fasst 6 Seiten. Das kann ich heute nicht mehr schaffen, weshalb ich lediglich eine Stelle auswähle, die für jeden, der gerne zuviel denkt, schön zu lesen sein sollte. Ich werde nach und nach den kompletten Text hier veröffentlichen.

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Ich bin nichts.
Werde nie etwas sein.
Kann nichts sein wollen.
Außerdem trage ich in mir alle Träume der Welt.

[.......]

Doch ein Mann hat den Tabakladen betreten (um Tabak zu kaufen?),
Und die einleuchtende Wahrheit kommt über mich.
Ich richte mich halb auf, energisch, überzeugt, menschlich,
In der Absicht, diese Verse zu schreiben, in denen ich das Gegenteil sage.
Im Gedanken an sie zünde ich mir eine Zigarette an
Und schmecke in der Zigarette die Befreiung von allen Gedanken.
Ich verfolge den Rauch, als wär's ein eigener Weg,
Und genieße, in einem empfindsamen, klarsichtigen Augenblick,
Meine Befreiung von allen Spekulationen
Und das Bewußtsein, daß alle Metaphysik nur die Folge einer schlechten
Stimmung ist.

[........]

Der Mann ist aus dem Tabakladen getreten (steckt er das Kleingeld in die
Hosentasche?).
Ach, ich kenne ihn: es ist der unmetaphysische Esteves.
(Der Besitzer des Tabakladens ist wieder an die Tür gekommen.)
Und wie durch eine göttliche Eingebung hat sich Esteves umgewandt und
mich erblickt.
Er winkte, ich rief ihm zu: Wiedersehen, Esteves! Und das Weltall
Fügte sich wieder zusammen für mich, ohne Hoffnung und ohne Ideal,
Und der Besitzer des Tabakladens lächelte.



[Auszug aus "Tabacaria"/ Lissabon, 15. Januar 1928 / 
Presenca Nr. 39, Coimbra, Juli 1933]

Dienstag, 17. Juli 2012

Caras Fugazes Na Noite

Flüchtige Gesichter in der Nacht.

Begegnungen zwischen Menschen sind, so will es mir oft erscheinen, wie das das Kreuzen von besinnungslos dahinrasenden Zügen in tiefster Nacht. Wir werfen flüchtige, gehetzte Blicke auf die Anderen, die hinter trübem Glas in schummrigem Licht sitzen und aus unserem Blickfeld wieder verschwinden, kaum daß wir Zeit hatten, sie wahrzunehmen. Waren es wirklich ein Mann und eine Frau, die da vorbeiflitzten wie Phantasmata in einem erleuchteten Fensterrahmen, der aus dem Nichts auftauchte und ohne Sinn Zweck hineingeschnitten schien in das menschenleere Dunkel? Kannten sich die beiden? Haben sie geredet? Gedacht? Geweint? Man wird sagen: So mag es sein, wenn fremde Spaziergänger in Regen und Wind aneinander vorbeigehen; da mag der Vergleich etwas für sich haben. Aber vielen Leuten sitzen wir doch länger gegenüber, wir essen und arbeiten zusammen, liegen nebeneinander, wohnen unter einem Dach. Wo ist da die Flüchtigkeit? Doch alles, was uns Beständigkeit, Vertrautheit und intimes Wissen vorgaukelt: Ist es nicht eine zur Beruhigung erfundene Täuschung, mit der wir die flackernde, verstörende Flüchtigkeit zu überdecken und zu bannen suchen, weil es unmöglich wäre, ihr in jedem Augenblick standzuhalten? Ist nicht jeder Anblick eines Anderen und jeder Blickwechsel doch wie die gespenstisch kurze Begegnung von Blicken zwischen Reisenden, die aneinander vorbeigleiten, betäubt von der unmenschlichen Geschwindigkeit und der Faust des Luftdrucks, die alles zum Erzittern und Klirren bringt? Gleiten unsere Blicke nicht immerfort an den Anderen ab, wie in der rasenden Begegnung des Nachts, und lassen uns zurück mit lauter Mutmaßungen, Gedankensplittern und angedichteten Eigenschaften? Ist es nicht in Wahrheit so, daß nicht die Menschen sich begegnen, sondern die Schatten, die ihre Vorstellungen werfen?

Sonntag, 15. Juli 2012



Ich bin reifer geworden. Entspannter. Ja, ich glaube ich habe nun ein Stück weit die Fähigkeit erlangt, Dinge richtig einordnen zu können. Man könnte auch sagen ich sei ruhiger. Zum ersten Mal verspüre ich das Gefühl zu verstehen, auf was es im Leben wirklich ankommt. Was wirklich wichtig ist und was nicht. Das ist deshalb so wunderbar, weil es einem nicht nur das Gefühl gibt zu wissen für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, sondern es auch für andere zu können. Ich weiß nicht wann dieser wirklich evolutionäre Entwicklungsschritt in meinem Denken seinen Anfang nahm, aber ich kann sagen, dass er längst nicht am Ende ist. Ich lebe seit einiger Zeit eine Veränderung. Ich bin die Veränderung. Mit jedem neuen Tag bietet sich mir die Möglichkeit mich selbst ein Stück mehr rein zu waschen und zu lernen, was es bedeutet ein guter Mensch zu sein. Das ist nicht immer einfach, aber..sehr, sehr wichtig. Wir müssen lernen uns selbst und den anderen zu verzeihen..

FIND YOUR REDEMPTION AND MAKE WITH WITH YOUR ACTIONS

Donnerstag, 5. Juli 2012

Diese Nächte in denen es sachte vor sich hin regnet, mit Blitzen und leichtem Donnern - ich liebe das. Es gibt nichts schönes zum Schlafen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Der Hüter der Herden

Ein kleiner Auszug aus "Der Hüter der Herden" von Alberto Caeiro. Ich könnte bedenkenlos weitere Seiten aufschlagen und Wort für Wort niederschreiben. Die Botschaft würde nicht falscher. Sehen, Fühlen, Hören, Riechen bedeutet Wirklichkeit. Denken heißt nicht existieren. Ich danke Fernando Pessoa, dass er diese und viele andere Verse schrieb. Seine Poesie bedeutet mir sehr viel..






Nie habe ich Herden gehütet,
Und doch ist es, als hütete ich sie.
Meine Seele ist wie ein Hirte,
Die Herde sind meine Gedanken
Und meine Gedanken allesamt Sinnesempfindungen.
Ich denke mit Augen und Ohren
Mit Händen und Füßen
Mit Nase und Mund.


Sich eine Blume denken heißt, sie sehen und riechen,
Und eine Frucht verzehren heißt, ihren Sinn erfassen.


Wenn ich mich daher an einem heißen Tag
Vor lauter Freude traurig fühle
Und der Länge nach ins Gras lege
Und die erhitzten Augen schließe,
Spüre ich meinen Körper von Kopf bis Fuß ausgestreckt in der Wirklichkeit,
Kenne die Wahrheit und bin froh.


>>Heda, du Hüter der Herden,
Dort am Wegesrand,
Was sagt dir der wehende Wind?<<


>>Daß er Wind ist und daß er weht,
Daß er schon vordem wehte
Und daß er auch künftig wehen wird.
Und was sagt er dir?<<


>>Noch so manches mehr.
Er spricht mir von vielen anderen Dingen.
Von Erinnerungen und Sehnsucht
Und Dingen, die nie gewesen sind.<<


>>DU HAST DEN WIND NIE WEHEN GEHÖRT.
DER WIND ERZÄHLT NUR VOM WIND.
WAS DU IHN SAGEN HÖRTEST, WAR LÜGE,
UND DIESE LÜGE IST IN DIR.<<


Der einzige innere Sinn der Dinge
Ist, daß sie keinen inneren Sinn besitzen.


Sachte, sachte, sachte
Weht ein sachter Wind,
Weht vorüber, sacht.
Und ich weiß nicht, was ich denke,
Und ich will es auch nicht wissen.


Was wir sehen von den Dingen, sind nur die Dinge.
Warum sollten wir ein Ding sehen, wenn noch ein anderes da wäre?
Warum sollten uns Sehen und Hören täuschen,
Wenn Sehen und Hören Sehen und Hören sind?


Sehen zu können, darauf kommt es an,
Sehen zu können, ohne dabei zu denken,
Sehen zu können, wann immer man sieht,
Und weder zu denken, wenn man sieht,
Noch zu sehen, wenn man denkt.


Das aber (wie arm wir doch sind mit unserer verkleideten Seele!)
Verlangt ein gründliches Studium,
Eine Lehrzeit des Verlernens,
Einen Zwangsaufenthalt in der Freiheit jenes Klosters,
Von dem die Dichter behaupten, seine Sterne seien die ewigen Nonnen
Und seine Blumen die überzeugten Büßerinnen eines einzigen Tages,
Und wo die Sterne dennoch nichts anderes sind als Sterne
Und die Blumen nichts anderes als Blumen 
Und wir sie deshalb Sterne und Blumen nennen.


Denn alles ist, wie es ist, und so ist es,
Und ich nehme es hin und sage nicht einmal: danke,
Damit niemand denkt, daß ich daran denke...

Dienstag, 26. Juni 2012

Gestern war ich endlich mal wieder im Riptide. Und ich muss zugeben, dass ich ein wenig enttäuscht war. Andererseits hätte ich mir auch bereits vorher denken können, dass sie das, was ich suche, nicht da haben werden. Bzgl Tricky hatte ich schon vor Monaten angefragt und in die Röhre geschaut, weshalb ich nun mein Glück mit Skinny Puppy probieren wollte. Nunja...Glück? Fehlanzeige. Wäre ja auch zu schön gewesen. Vermutlich muss ganz, ganz viel Glück zusammen kommen, damit ich mal etwas von dem finde, was ich suche. Sieht fast so aus, als wäre dies das Schicksal eines Raritäten-Sammlers mit speziellem Geschmack. Als einen solchen würde ich mich nämlich durchaus bezeichnen. Wo andere ihr Geld ins Auto, Kleidung oder andere, relativ normale Dinge stecken, gebe ich es lieber für Musik aus. Die bedeutet mir ja bekanntermaßen sehr viel und ich empfinde es als sehr sinnig in etwas zu investieren, das für mich einen hohen Stellenwert besitzt. Damit verbinde ich schließlich auch etwas Persönliches, verschiedene Lebensphasen, Einstellungen, Erinnerungen, Veränderungen..lasse mich inspirieren. Da ist mir eine Vinyl auch mal 80 €uronen wert. Verstehen tut das kaum jemand. Muss aber vielleicht auch niemand. Ist es nicht fair, wenn man für das, was man bekommt, auch zahlt? Erst recht, wenn es um etwas Besonderes geht? Manch einer wird zustimmen, aber der Ansicht sein, dass der Preis nicht angemessen ist. Aber wenn ich für mich persönlich damit die Enttäuschung darüber, dass ich einige meiner liebsten Künstler vermutlich nie live erleben werde, bzw damals nicht live erleben konnte, weil es einfach eine andere Zeit war, ich ein kleiner Junge war, betäuben kann? Wenn ich dann solch ein Schmuckstück aus meinem Regal zaubern und auflegen kann, dann ist das ein bisschen so, als würde ich in einer Zeitmaschine sitzen. Ich bin immer noch 25, aber ich bin dann in den späten 80ern und frühen 90ern. Kann Puppy und Fugazi Konzerte besuchen. Ach wie wäre das schön gewesen..
2 Bands, die mich maßgeblich geprägt haben. Bands, die mir dieses und mehr Geld definitiv wert sind, wenn man bedenkt, welche Inspiration sie mir gegeben haben. Macht das Sinn? Ich möchte glauben, dass es das tut und richtiger ist, als für wertlosen, materiellen Unfug zu zahlen. Sonst könnte man sein Geld auch gleich verbrennen. Weil ich das aber nicht wollte, habe ich anderweitig zugeschlagen. Portishead live mit Orchester in NYC und eine relativ neue Auflage von Fugazi's Album End Hits gehören nun mir. Immerhin.
Ich weiß nicht, irgendwie fühle ich mich immer ein bisschen allein, wenn es um das Thema Musik geht. Ich höre und lese so oft, wie wichtig sie den Menschen ist. Aber oft scheint es mir so, als würde ich da in meinem ganz eigenen Kosmus umher schweben. Niemand, der meine Liebe zu Künstlern wie Skinny Puppy, Fugazi, Tricky und MewithoutYou teilen kann oder möchte. Natürlich ist die Ursache dafür im Geschmack zu finden und nicht im Inhalt. Frustrierend ist es dennoch. 
Gut zu wissen, dass es für mich noch reichlich Vinyls zu kaufen gibt, die mich sehr glücklich machen werden. Da es vermutlich auch in 100 Jahren keine Band geben wird, die so viele elementar wichtige Dinge auf einmal in ihrer Musik ansprechen wird, wie Skinny Puppy es damals taten, gönne ich mir die ViviSectVI aus dem Jahre 1988. Eine zeitlose Scheibe..für schlappe 75 Euro..