Da ich nicht so recht weiß, was ich mit diesem Samstag Abend noch anstellen soll und mein Leben nicht so interessant ist, als dass ich Tag ein Tag aus über irgendwelchen Kram berichten könnte, der noch dazu meist nichts sagend ist, habe ich beschlossen, heute den Dichter Alvaro de Campos vorzustellen. Es ist halb zwölf, ich trinke frisch erworbenen, Rotwein und würde gerne "Tabacaria", ein wirklich wundervolles Gedicht, niederschreiben. Es fasst 6 Seiten. Das kann ich heute nicht mehr schaffen, weshalb ich lediglich eine Stelle auswähle, die für jeden, der gerne zuviel denkt, schön zu lesen sein sollte. Ich werde nach und nach den kompletten Text hier veröffentlichen.
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Ich bin nichts.
Werde nie etwas sein.
Kann nichts sein wollen.
Außerdem trage ich in mir alle Träume der Welt.
[.......]
Doch ein Mann hat den Tabakladen betreten (um Tabak zu kaufen?),
Und die einleuchtende Wahrheit kommt über mich.
Ich richte mich halb auf, energisch, überzeugt, menschlich,
In der Absicht, diese Verse zu schreiben, in denen ich das Gegenteil sage.
Im Gedanken an sie zünde ich mir eine Zigarette an
Und schmecke in der Zigarette die Befreiung von allen Gedanken.
Ich verfolge den Rauch, als wär's ein eigener Weg,
Und genieße, in einem empfindsamen, klarsichtigen Augenblick,
Meine Befreiung von allen Spekulationen
Und das Bewußtsein, daß alle Metaphysik nur die Folge einer schlechten
Stimmung ist.
[........]
Der Mann ist aus dem Tabakladen getreten (steckt er das Kleingeld in die
Hosentasche?).
Ach, ich kenne ihn: es ist der unmetaphysische Esteves.
(Der Besitzer des Tabakladens ist wieder an die Tür gekommen.)
Und wie durch eine göttliche Eingebung hat sich Esteves umgewandt und
mich erblickt.
Er winkte, ich rief ihm zu: Wiedersehen, Esteves! Und das Weltall
Fügte sich wieder zusammen für mich, ohne Hoffnung und ohne Ideal,
Und der Besitzer des Tabakladens lächelte.
[Auszug aus "Tabacaria"/ Lissabon, 15. Januar 1928 /
Presenca Nr. 39, Coimbra, Juli 1933]